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JULIA KRÖPELIN

Momente extremer Bewegung werden eingefroren

Backnanger Kreiszeitung 27.02.2009 | Ingrid Knack

Backnang – Skulpturen haben oft etwas Schweres. Die Plastiken von Julia Kröpelin indes scheinen zu schweben, sich im Raum zu verflüchtigen. Von ihnen geht trotz zuweilen inhaltlicher Schwere eine Leichtigkeit aus. Alles steht still, und doch wird Bewegung vermittelt – eine höchst dynamische und raffinierte Kunstsprache.

Die Arbeiten der 1967 geborenen Düsseldorfer Künstlerin Julia Kröpelin werden bis 3. Mai in den Räumen der Galerie der Stadt gezeigt. Die Vernissage ist heute um 20 Uhr. „Leda und der Schwan“ heißt die Skulptur im gotischen Chor. Thematisiert wird der Moment, in dem sich Zeus in Gestalt eines Schwans mit Leda vereint. Helena und Polydeukes gehen aus dieser Verbindung hervor. Erzählerische und formale Aspekte verknüpfen sich in den Werken der Künstlerin auf spannende Weise. Zum einen die Geschichte aus der griechischen Mythologie, die in der Kunstgeschichte oftmals aufgegriffene Thematik der Begegnung von Tier und Mensch, zum anderen das Collagenhafte. Momente bewegter Szenen werden eingefroren. Und wo Körperflüssigkeiten wie zum Beispiel Schweiß fließen, geht es der Künstlerin um den Übergang vom einen in den anderen Aggregatzustand durch Kraft und Bewegung. Manchmals wird’s sogar blutig.

Inspiriert dazu wurde Julia Kröpelin etwa durch Filme wie „Kill Bill“ von Quentin Tarantino, in denen viel Blut fließt: „Das Blut in dem Film ist so was von abstrahiert, dass man keinen Schmerz mehr spürt, man hat kein Mitgefühl, wenn man den Film sieht.“ Das Resultat einer Überästhetisierung, mit der auch sie spielt.

Bei der Tapete im Erdgeschoss mit dem Titel „Rehwinkel“, die in einem Ornamentmuster daherkommt, geht es bei nährem Hinschauen um das Thema Tier in der Landschaft. Eine wieder aus Versatzstücken zusammengebaute Arbeit. Die aus diesem Jahr stammende rein weiße Skulptur aus Polymergips im ersten Stock betont das Formale, die Geschichte hinter dieser zum Standbild gewordenen Drehbewegung im Raum tritt zunächst zurück. Doch der Titel „Haut“ zeigt: Da kann man sich Gedanken über den Themenkomplex Hüllenhaftigkeit und Körperlosigkeit, Begrenzungen und Umzäunungen machen. Die Plastik „Island“ bewegt sich zwischen Körper und Landschaft und in „Mann verschüttet Milch“ spielt die Flüssigkeit eine rein logische Rolle und hat nichts mit Transformation von Kraft und Bewegung zu tun. Für die Skulpturen und Installationen aus Polymergips, Objets Trouvés, Holz und Papier verwendet die Künstlerin unter anderem auch Computerausdrucke beziehungsweise Fotokopien und Zeichnungen. Dabei werden Gattungsgrenzen zwischen Skulptur, Collage, Fotografie und Zeichnung verwischt. Homogener dagegen sind die neueren Arbeiten aus Polymergips.

Außerdem zeigt Kröpelin schwarz-weiße Zeichnungen auf Leinwand. Ausgehend von Motiven, die Assoziationen hervorrufen, ködert sie den Betrachter ganz geschickt, um ihn in rätselhafte Welten zu führen. Landschaften als Mittel, um Innenwelten zu ergründen. Wobei auch kunsthistorische Zitate eine Rolle spielen.

Die Meisterschülerin von Fritz Schwegler hat etliche Preise und Stipendien erhalten, etwa ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes und ein New York-Stipendium der Ernst Poensgen-Stiftung sowie den Bergischen Kunstpreis. Sie arbeitet als Dozentin für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

Öffnungszeiten: Dienstags bis donnerstags von 17 bis 19 Uhr, freitags und samstags von 17 bis 20 Uhr, sonntags von 14 bis 19 Uhr. Am Karfreitag und am 1. Mai geschlossen, am Ostersonntag und Ostermontag von 14 bis 19 Uhr geöffnet.

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KATJA PFEIFFER

Katja Pfeiffer – rohschnitt
Galerie Wolfgang Gmyrek, Düsseldorf, 11.04. - 24.5.2008

Kunstforum International Band 191, 2008, S. 314 | Thomas W. Kuhn

Für die Vortäuschung falscher Tatsachen steht allbekannt der Topos des Potemkinschen Dorfes. Angeblich schuf der russische Feldmarschall Grigori Alexandrowitsch Potjomkin Kulissen wohl bestellter Siedlungen auf der Krim, um der durchs Land reisenden Zarin Katharina den Eindruck bester Verhältnisse vorzugaukeln. 1993/94 entstand ein derartiges Konstrukt in Berlin, wo private Finanziers die Fassade des Stadtschlosses im Maßstab 1:1 vom Atelier Catherine Feff anfertigen ließen und auf einer gigantischen Gerüstkonstruktion aufspannten. Noch heute kann man sich eine derartige Simulation in nächster Nähe anschauen, der Nachbildung Karl Friedrich Schinkel's Bauakademie.

Außer diesem Zweck dienen Gerüste vor allem dem Zugang von Handwerkern zu den Fassaden zu restaurierender oder neu zu errichtender Bauten. Der architektonische Konnex gilt so oder so. Dies trifft auch für die Kulissen im Berlin nahe gelegenen ehemaligen Ufa-Gelände zu, wo seit dem frühen 20. Jahrhundert gebaute Illusionen von Innen- und Außenräumen zur Unterhaltung und gelegentlichen Bildung der Massen in den Lichtspielhäusern auf Celluloid gebannt wurden.

Hier, in ihrer Wahlheimat Berlin, fand Katja Pfeiffer (*1973 in Karlsruhe) diese künstlichen Strukturen in einer Häufung vor, wie sie keine zweite deutsche Stadt seit 1989 vermittelt. Die Konstruktion simulierter Architektur und neuerdings verstärkt auch die Konstruktion simulierter Natur ist nicht nur bildwürdiges Sujet ihrer Malerei auf einem ursprünglich selbstständigen und klar abgegrenzten Bildträger, sondern hat die Struktur des Bildträgers so weit durchdrungen, dass ihre Arbeiten nun als Bildinstallationen angesprochen werden können, die im Aufbau aus Holzplatten und Dachlatten die tektonische Charakteristik der abgebildeten Kulissen verdoppeln.

Hauptwerk in der Düsseldorfer Ausstellung ist die vielteilige Arbeit "Backdrop" aus 2007. In diesem Werk verarbeitet Pfeiffer, die zwischen 1992 und 2000 an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Günther Uecker, Alfonso Hüppi und Jan Dibbets studierte, Filmkulissen aus Babelsberger Produktionen, vor allem einer Produktion von Oliver Berben. In der ursprünglichen Präsentation in der Galerie Pankow in Berlin mäanderten die 30 Tafeln durch mehrere Räume hindurch und konnten sowohl entlang der Rück- wie der Vorderseite abgewandert werden. Nach zwei weiteren Station in zwei weiteren Varianten wurde "Backdrop" im Kellerraum der Düsseldorfer Galerie zu einem Panorama auf nahezu kreisförmigen Grundriss arrangiert. Nach fotografischen Aufnahmen arbeitend zeigt "Backdrop" die unterschiedlichsten Ansichten der vergänglichen Filmarchitektur. Dem ephemeren Charakter des Vorbildes entspricht die skizzenhafte Malweise Pfeiffer's, die hier nie die ganzen Tafeln mit Farbe bedecken. Der Bildgrund bleibt jederzeit sichtbar, mittelbraune Faserplatten, wie sie eben auch beim Bau von Kulissen verwendet werden. Die einzelnen Raumfragmente sind nach dem Prinzip einer sich mehrschichtig überlappenden Collage so miteinander verbunden, das im Ganzen der Eindruck eines Kontinuums entsteht. Erstaunlicherweise liefert der Film selbst ein Beispiel für die Mehrdeutigkeit dieser Art von Realität, die ihre Kraft zum Teil aus der offensiven Sichtbarmachung des Simulativen bezieht. In "Inland Empire" schickt der Regisseur seine Hauptfigur mit doppelter Identität quer durch die Kulissen einer Filmproduktion, die unerwartet zum Raum einer realen Handlung werden. Pfeiffer's Bilder sind auf ähnliche Weise Kulissen als Doppelgänger von Kulissen in denen sich der Betrachter an Stelle der Schauspieler bewegt.

Auf andere Weise funktioniert die Installation "Irrlicht" von 2007, dem Hauptstück im Hochparterre der Galerie. Äußerlich erinnert das Gebilde an eine Balgenkamera oder einen LKW-Aufbau im Format 2,5 x 2,5 x 3 Meter. Gerechnet mit Rückwand folgen außen ablesbar zehn Schichten aufeinander, die scherenschnittartig Kulissen nachbilden. Der Aufbau erinnert in dieser Form noch über den Film hinaus an die ersten erhaltenen und dauerhaft installierten Theaterkulissen im Teatro Olimpico von Andrea Palladio. Die hintereinander gestaffelten Schichten suggerieren in ihrer maßstäblichen Verkleinerung eine nicht vorhandene Tiefe. "Irrlicht" bezieht sich dabei nicht auf eine Stadt, wie bei Palladio. Es handelt sich um einen Ausschnitt nach den Kulissen, die Fritz Lang für die Nibelungen-Verfilmung bauen ließ, dem von monumentalen Baumstämmen beherrschten Wald, in dem Siegfried den Drachen tötet. Sichtbar werden, wie andernorts auch, Aufbauten für Kameras und Filmscheinwerfer, die ihr künstliches, elektrisches Licht in die Bauten werfen.

In den Arbeiten "Wald", "Dickicht" und "Zwielicht", alle aus 2008, hat Pfeiffer auf eine rahmende Konstruktion wie in "Irrlicht" oder stützende Dachlatten wie in "Backdrop" verzichtet. "Zwielicht" besteht aus vier Platten, die flach aufeinander liegen und bildartig ohne Kontakt zum Boden an der Wand hängen. In "Wald" sind drei dieser MDF-Platten mit den ausgeschnitten Motiven von Bäumen und Leitern an die Wand gelehnt. Sechs solcher Platten sind es schließlich in "Dickicht", der eindringlichsten dieser drei Arbeiten. Die Besonderheit liegt in der kompositorischen Durchdringung von Figur und Grund, die intelligent und komplex mit dem Verhältnis gemalter Baumstrukturen und ausgeschnittenem Astwerk spielen. Die größte Bedeutung kommt hier der hintersten Tafel zu, die seitlich durch den unregelmäßigen Beschnitt der Strukturen des Astwerks begrenzt ist und mit eben diesen Strukturen auf der dazwischen liegenden Fläche bemalt wurde, die als Ebene der Wand entspricht und architektonisch in ihrem gestuften aber geraden Beschnitt an der Oberseite einen Kontrapunkt zur Unregelmäßigkeit des "Dickichts" bildet. Schräg an die Wand gestellt erinnert dieser Aufbau an Motive, die in "Backdrop" allenthalben in Erscheinung treten. Es handelt sich um abgestelltes und an der Wand gelagertes Material, das somit aus dem Weg geräumt seiner nächsten Verwendung harrt. Im Falle von Pfeiffer beginnt hingegen die Verwendung mit dem Abstellen der Tafeln, die zum Teil durch ihre scherenschnittartige Auflösung kaum noch als solche anzusprechen sind.

Als Erinnerung an ihre malerische und zeichnerische Herkunft wurden im Kabinettraum der Galerie Papierarbeiten und ein großes Leinwandbild präsentiert. "Geisterbahn", ein Acrylbild aus 2006, zeigt die hoch aufragende Konstruktion eines Kirmes-üblichen Fahrgeschäfts, die ihrer Ummantelung entledigt den Blick auf einen dahinter liegenden Wald eröffnet. Typisch ist die Überlagerung natürlicher oder künstlicher Strukturen. Typisch auch, den Illusionscharakter der Institution, hier Geisterbahn, zu enthüllen, um dann doch wieder, gewissermaßen durch die Hintertür, der Illusion reale Nahrung zuzuführen, hier durch die geisterhaften kahlen Bäume eines verwunschen wirkenden Waldes. Und vielleicht ist es Zufall, dass wie im Film auch die Geisterbahnfahrt eine Zeitreise durch Bilder ist, die in der Bildbetrachtung dem Blick entlang der Schienenführung mit ihren Gondeln entspricht.

Zwei Skulpturen ergänzen die Schau, führen in den kleinen Abgrund von 2006 und zeigen das Kuriosum eines kugelförmigen Baumes. Im Absurden und Bizarren schlägt ein Stück Kurt Schwitters durch, das in der formalen Überhöhung im Werk eines ebenso konkreten wie ideellen Merzbaus letztlich den Scheincharakter des Realen thematisiert und mit der Realität des Scheins kurzschließt.


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Prof. Katja Pfeiffer: Vom Berliner Atelier in den Bergischen Hörsaal
An der Uni weht ein frischer kreativer Wind. Die Professorin Katja Pfeiffer will aus Studenten echte Freigeister machen.

Westdeutsche Zeitung 4. Juni 2008 | von Helga Meister

Katja Pfeiffer – eine zierliche Frau mit klaren Zielen: Ihre Studenten sollen bereit sein, „kreativ zu denken und zu handeln“.

Wuppertal. Katja Pfeiffer fährt jeden Mittwoch mit dem ICE von Berlin nach Wuppertal und bleibt hier bis Freitag. In Berlin arbeitet sie als Künstlerin, in Wuppertal ist sie seit anderthalb Jahren Professorin für Kunst an der Bergischen Universität Wuppertal. Sie sagt: „In Berlin denke ich nicht an Wuppertal und in Wuppertal nicht an Berlin. Der Zug ist schnell, und man kann es trennen.“

Die Professorin als Künstlerin, so etwas gibt es vor allem an Kunstakademien – und in Wuppertal. Katja Pfeiffer ist auf dem besten Weg, aus dem Studiengang Kunst eine Art Kunstakademie zu machen. Die 200 jungen Leute studieren Kunst auf Lehramt, sie können den Bachelor of Arts (B.A.) und den Master of Arts in Education (M.A.), also den „Lehramts-Master“ machen.

Katja Pfeiffer unterrichtet Malerei und Praxis, ihr Kollege Rainer K.Wick ist für Kunst- und Kulturpädagogik zuständig. Sie erinnert sich noch an ihren Vortrag vor der Berufungskommission: „Ich habe nicht darüber gesprochen, was ich mache, sondern wie ich es mache. Ich habe über das Sammeln, die Inspirationsquellen, den Transfer von Welt ins Atelier geredet.

Das war mein größtes Problem in meiner Studienzeit, als ich bei dem Nagelkünstler Günther Uecker in Düsseldorf angefangen habe: Ich saß in einem riesigen Atelier und wusste nicht, was ich da soll. Die Welt ist draußen, ich bin drin. Was soll ich da machen? Man sitzt zwischen zwei Stühlen, aber man kann auch auf zwei Stühlen sitzen. Diese Situation konnte ich zuspitzen auf den Studiengang in Wuppertal. Das hat mir den Ruf gebracht.“

Die 35-Jährige ist Meisterschülerin von Alfonso Hüppi. Was er ihr beibrachte, nennt sie die „Freiheit“, sich nicht auf ein Medium festzulegen. Was sie bei ihm lernte, übermittelt sie in Wuppertal: „Ich habe gelernt, dass man nur spielt und nicht über das Ergebnis nachdenkt.“ Dennoch fordert sie Entscheidendes. Die Studenten müssen bereit sein, selbst kreativ zu arbeiten. Wer sich irgendeinen Stoff häppchenweise verabreichen lassen will, sei fehl am Platz.

Die schlanke, zierliche Frau ist zielstrebig. Sie hofft auf zukünftige Kunsterzieher, die auch kreativ denken und handeln. Sie holt daher Lehrbeauftragte herbei, die ausgewiesene Künstler mit Ausstellungen an internationalen Häusern sind. Erstmals gibt es im Lehrbereich Kunst das, was sie „eine richtige Praxisstelle“ nennt:

Christian Schreckenberger: Er ist wie Katja Pfeiffer Meisterschüler von Alfonso Hüppi. Er entwickelt in Zeichnungen, Skulpturen und Objekten eine seltsame Welt zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

Birgit Huebner: Die Meisterschülerin von Alfonso Hüppi macht Installationen und hat zugleich eine halbe Stelle als künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin am „museum kunst palast“ in Düsseldorf.

Eva-Maria Kollischan: Die Meisterschülerin des Malers Ulrich Erben hatte 2007 eine Vertretungs-Professur in Frankfurt.
Ulrike Möschel: Sie ist Meisterschülerin von Iannis Kounellis und bekannt als Video-Künstlerin.

Christine Erhard: Die Meisterschülerin von Fritz Schwegler erzeugt Installations-Fotografie.

Katja Pfeiffer: Sie selbst stellt gegenwärtig im benachbarten Düsseldorf in der Galerie Gmyrek aus. Hier beweist sie ihr Gespür für Provisorien und Hilfskonstruktionen. Sie baut einen fiktiven Raum aus Kulissenteilen und benutzt dazu billige Spanplatten, deren Graubraun überall in ihren Bildern auftaucht. Die Konstruktion selbst besteht aus gemeinen Dachlatten. Das Ergebnis sind Fassaden und Attrappen wie in Berlin. Eine merkwürdige Stimmung geht von diesen Arbeiten aus, wie von einem Potemkinschen Dorf.


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Galerie Wolfgang Gmyrek
Katja Pfeiffer - rohschnitt
11.4. - 24.5.08

kulturkurier.de vom 10.04.2008

Erstmals wurden ihre neuen Arbeiten, die die Grenze zwischen Malerei und Rauminstallation aufheben, in der Gruppenausstellung ?update.07? vorgestellt. In der Ausstellung ?rohschnitt? wird Katja Pfeiffer mit zwei großen Installationen, Wandarbeiten, Skulpturen und Papierarbeiten einen Einblick in die Entwicklung der letzten Jahre zeigen.

Die raumgreifende Installation ?Irrlicht? schließt formal an vorangegangene Arbeiten wie ?Backdrop? in der Galerie Pankow im April/Mai 2007 in Berlin an. Aus bemalten MDF Platten werden Motive ausgesägt und wie in einem Perspektivdiorama des 19. Jahrhunderts zu einem faszinierenden Illusionsraum gestaffelt. Die Bildelemente überlagern sich und bieten spannungsvolle Durchblicke, bei denen Licht- und Schattenzonen einen irritierenden, phantastischen Raum im Raum entstehen lassen. Einige Motive, die in ?Irrlicht? auftauchen, stammen aus dem Filmset zu Fritz Langs berühmter Verfilmung des Nibelungenlieds von 1924.

Inhaltlich verfolgt Katja Pfeiffer damit ihr Thema der letzten Jahre, in dem sie sich intensiv mit Gerüsten und Behelfsarchitekturen im Stadtraum und schließlich mit Bühnenbildern und Filmkulissen, insbesondere in den Studios in Berlin Babelsberg auseinander gesetzt hat. Was zunächst eine Weiterentwicklung der malerischen Möglichkeiten bedeutete, eröffnet nun immer neue Möglichkeiten in der Auseinandersetzung mit temporären Illusionsräumen, in denen sich auch Licht und Schatten zunehmend von der Malerei emanzipieren und eigene Gestaltungsmöglichkeiten bieten.

Katja Pfeiffer hat ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf 2000 als Meisterschülerin von Alfonso Hüppi beendet und ist seit 2006 Professorin an der Bergischen GH Wuppertal.


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Vernissage: Eröffnung in allen Galerien
Eigentlich für die Messe dc gedacht, bietet die örtliche Szene ein großes Programm.

Westdeutsche Zeitung, Samstag 11.04.2008, Nr. 86 | Helga Meister

Düsseldorf. Eigentlich sollte in vier Tagen die zweite Avantgarde-Messe, die dc Düsseldorf Contemporary, mit 85 internationalen Galerien starten. Daraus wird nichts, der Geldgeber Gruner & Jahr hat sich, wie die Westdeutsche Zeitung berichtete, aus dem Projekt zurückgezogen. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe hatte sich vergeblich darum bemüht, die Messe in der LTU-Arena starten zu lassen.

Ortsansässige Galerien, die sich zu „parallel“ zusammengeschlossen haben, planten Hochkarätiges für die dc. Das Ergebnis wird ab diesem Wochenende in einer Fülle von Vernissagen gezeigt. Nach Auskunft von Wolfgang Gmyrek, dem Sprecher der „Parallel“-Galerien, ist zugleich ein Zusammenschluss der jungen Galerien und der Parallel-Galerien geplant.
Endlich erkennt man auch in der Landeshauptstadt, wie wichtig es ist, gemeinsam zu kämpfen, zumal die Düsseldorfer Galerieszene weit stabiler ist als die in Köln.
Wir bringen einige Stichworte zu dem, was ab Samstag geboten wird:

[...]

Gmyrek, Mühlengasse 5: Katja Pfeiffer verwandelt den Raum in eine faszinierende Kulisse.


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MIRIAM VLAMING

Galerierundgang: Schwarze Venus im Paradies
Die unendlichen Farbschichten von Miriam Vlaming bei Gmyrek

Westdeutsche Zeitung 18.02.2009 | Helga Meister

[...] Miriam Vlaming malt wie ein Sisyphus. Ihr geht es nicht nur um das Auftragen von Farbe, sondern auch um das Wegnehmen. Sie kaufte sich eine fünf Meter breite Dusche, um die gerade erst aufgetragene Eitempera-Farben von ihrem Großpanorama halbwegs wieder abzuwaschen.
Übermalen und abreiben, durch Terpentin verdünnen und zerstören, Rinnsale bilden, verschleiern, auslöschen und neu beginnen, so definiert sie ihren Malprozess. Das Entfernen der Farbe ist nie endgültig, die unteren Schichten lassen sich ahnen. Erst war ein Heuhaufen da, dann eine umgedrehte Landschaft: Nach dem Duschen wurde es ein Wald. Nun ist es ein durchlässiger Slip. Zuletzt setzt sie mit trockener Farbe Lichter, womit das Schichten, Überlagern und Reduzieren ein Ende findet.
Mühlengasse 5, bis 21.3., Di bis Fr 11-18, sa 11-16 Uhr [...]


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behind your eyes

pool life & culture 2009 | helmut wolf

die künstlerische arbeit der niederländischen malerin miriam vlaming besticht durch ihren nuancenreichtum und den sanften zwischentönen. vlaming beherrscht das spiel mit rollenbildern, mit den mythen und märchen ebenso wie die illustratorische, zeitgenössische formensprache, welche sie mit elementen aus der klassischen malerei verbindet. wie ein schleier werden scheinbar eindeutige zitate und aussagen verhüllt, verschlüsselt, entstehen bildkompositionen, die dem betrachter in ein spiel mit der künstlerin ziehen.

liebe miriam, du verwendest immer wieder motive aus kindermärchen („wizard of oz“ etc.). inwieweit beeinflussen dich gefühle und erinnerungen aus deiner eigenen kindheit in der künstlerischen arbeit?
der blick eines kindes auf seine umgebung, auf seine welt hat immer etwas magisches an sich. dieser blick, in dem vorstellung und realität zusammenfließen, ist mir sehr nahe. besonders in meiner malerei versuche ich mich absichtlich in diese position des betrachtens zu versetzen.

verschlüsseln, verhüllen, übereinander malen ... aus der vielschichtigkeit deiner werke lässt sich erkennen, dass du dich nicht auf eine eindeutige aussage festlegen möchtest, oder ...?
in meinen bildern geht es laufend um das spiel mit vermeintlichen eindeutigkeiten. der reiz liegt für mich in dem wechselspiel zwischen zeigen und verhüllen.

viele leute haben oft keine zeit mehr, die kleinen details des lebens zu sehen und zu erkennen. was sagst du zu dieser soziologischen entwicklung?
als malerin habe ich eine spezielle ausgangsposition. malerei ist einfach auch eine schule des sehens. in meinen bildern geht es darum, die eigene erlebniswelt in frage zu stellen und besonders das kleine detail kann oft der schlüssel zum bildverständnis sein ...

in deinen arbeiten vermischt sich klassische malerei oft mit gegenwärtiger ästhetik aus der werbung. möchtest du etwas ganz neues schaffen oder so einen art brückenschlag herstellen zwischen bewährten, alten und ganz neuen dingen unserer zeit?
wahrscheinlich sprichst du hier speziell auf meine 2001 entstandenen arbeiten an. diese arbeiten entwickelten sich nach einem längeren arbeitsaufenthalt in afrika. hier ging es mir um ein spiel mit vordergründigen, dekorativen mitteln und klischees. üblicherweise sind in meinen bildern erheblich weniger elemente der von mir damals angewendeten werbeästhetik zu finden.

woran denkst du, wenn du malst? hörst du musik, ist es ganz still um dich, sind menschen rund um dich?
die malerei ist zum glück eine sehr einsame angelegenheit. wenn ich nach mehreren stunden bemerke, dass es draußen dunkel geworden ist, weiß ich, dass ich wirklich „im bild“ war.

apropos denken: welches gefühl möchtest du beim betrachter deiner werke auslösen? sollen deine werke die menschen zum denken anregen, unterhalten ...?
wenn meine bilder die ungestörte aufmerksamkeit von nur einem einzigen betrachter auf sich ziehen können, habe ich schon gewonnen.

wo liegt für dich deine tägliche „antriebsfeder“ zu malen?
bei der malerei kann ich mir selber so manches abenteuer gestalten. und all diese abenteuer finden sozusagen auf der leinwand statt. die malerei ist eine eigene welt für sich, wo eigene gesetze vorherrschen. manchmal ist diese welt zufluchtsort, manchmal die hölle ...

vergänglichkeit herrscht gerade in unserer schnelllebigen zeit vor. was heute da ist, ist morgen oft schon wieder weg. ein bild, eine malerei jedoch bleibt sehr lange bestehen, hat kein ablaufdatum. wie siehst du diesen gedanken?
das ist das schöne daran, aber ein bild hat auch ein eigenleben. es verändert sich unmerklich, das ist das faszinierende daran.


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Das hört man gern
MIRIAM VLAMING malt, will aber keine Künstlerin sein

PARK AVENUE – DAS PERSONALITYMAGAZIN Shortcuts

MIRIAM VLAMING vereint, hat Arno Rink, einst Professor an der HGB Leipzig über seine ehemalige Meisterschülerin gesagt, die Naivität eines Kindes mit dem Misstrauen einer Erwachsenen. Tatsächlich wirkt die hochgewachsene 37-Jährige ebenso mädchenhaft wie ernst und nachdenklich. Zwei Pole, zwischen denen sich auch die großformatigen Arbeiten der Wahlberlinerin bewegen: Miriam Vlamings Bilder zeigen Landschaften, Räume und Figuren, die auf den ersten Blick idyllisch wirken, aber gleichzeitig melancholisch sind und verstörend. Meist dienen ihr Fotos als Vorlage, die sie zunächst mit Eitemperafarbe auf die Leinwand überträgt, um sie anschließend zu übermalen und zu verfremden. Dabei rückt sie ihren Bildern auch schon einmal mit einem Duschkopf zu Leibe und wäscht Teile der vorher aufgetragenen Farbschichten wieder herunter:

"Ich mag es, wenn sich das Gegenständliche in Abstraktion auflöst", sagt sie. Miriam Vlaming wuchs in Düsseldorf-Holthausen auf und studierte an der Heinrich-Heine-Universität Pädagogik. "Besser, als zu Hause rumzuhängen", sagt sie. Der Traum von der Malerei ließ sich zunächst schwierig an: Bevor sie 1994 an der Hochschule in Leipzig angenommen wurde, hatte ihr die Kunstakademie in Düsseldorf eine Abfuhr erteilt.

Ein Glücksfall, sagt die Malerin, die nebenbei in einer Punkband singt und Gitarre spielt, heute. "In Leipzig wurde sehr viel Wert auf das Handwerk gelegt, da haben die Studenten sich als Maler oder Fotografen verstanden. In Düsseldorf wollte jeder abstrakt arbeiten und in erster Linie Künstler sein." Dieses versnobte Selbstverständnis ist ihr bis heute fremd.

Beweistermin: ihre Werkschau "You promised me" in der Kunsthalle Mannheim (27. September 2008 bis 1. Februar 2009)


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miriam vlaming - you promised me
Kunsthalle Mannheim

WESTZEIT 01.10.2008 | Klaus Hübner

Die Klammer zur Realität, von der, ihrer, Kunst ausgesehen, ist die Fotografie. Sagt Miriam Vlaming. Die Fotos "verankern meine Bilder in der Realität und geben mir Sicherheit." Miriam Vlaming forscht und gräbt gerne in menschlichen Gesichtszügen, schemenhaft verschleierte, surreal entfremdete und wie aus dem Lebendigsein heraus gerissene Abzeichen einer aus der Masse empor ragenden Individualität. Sie benutzt als Sujet nicht nur das menschliche Gesicht, sondern experimentiert mit komplett abgebildeten, anonym bleibenden Personen.

Ein Mann schwingt sich von irgendwo und in irgendwo an einem dicken Seil an einer Häuserfassade vorbei, seine Beine streifen entlaubte Äste, der nur mit einer Badehose bekleidete Körper scheint wie auf Kommando in seiner Vorwärtsbewegung innezuhalten, bis die Künstlerin den letzten Pinselstrich angebracht hat. Das Bild heißt "Aussicht" und reiht sich ein in eine Motivserie mit Menschen, die eigentlich in Bewegung sind und nur durch den Fingerzeig der Malerin in einer Pose verharren. Wie die beiden Schwimmer auf dem gleichnamigen Gemälde von 2005. Der im Vordergrund mit weit gespreizten Armen auf dem Rücken liegende junge Mann könnte der aus der Arbeit "Aussicht" sein. Das Gesicht ist nicht zu identifizieren, der Mann scheint ganz weit über sich etwas zu erkennen. Was natürlich, wenn es denn so ist, sein Geheimnis bleibt. Wie auch der zweite junge Mann schwerelos im Wasser liegt und ebenso nicht erkennen lässt, was der Grund für diese Anti-Schwimmhaltung eigentlich ist.

Miriam Vlaming wurde 1971 in Hilden bei Düsseldorf geboren und studierte zunächst Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie. Von 1994 bis 1999 studierte sie Malerei und Grafik in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Professor Arno Rink, war Gaststudentin an der Kunstakademie Düsseldorf bei Jan Dibbets und schloss ihr Studium in Leipzig mit Auszeichnung ab. Zwangsläufig zählt sie zur Neuen Leipziger Schule um Neo Rauch, Matthias Weischer und Tilo Baumgärtel, füllt jedoch auch die Rolle der Neuen Frau in der Malerei aus. Bei Vlaming residiert die Abstraktion direkt neben der Figuration, wobei letzteres ein markantes Zeichen der Neuen Leipziger Schule darstellt. Romantische Idylle sucht man bei Vlaming allerdings vergeblich. Vielmehr swingt in den meisten Arbeiten ein leicht verschleierter, beklemmende Gefühle auslösender Alltagshorror mit. Siehe oben: sind die Schwimmer nur im Experiment vereint als regloses Treibgut zu definieren oder ist ihr Leben kurze Zeit vor dem "Schnappschuss" zu Ende gegangen? Pendelt der Mann am Seil tatsächlich im nächsten Augenblick weiter oder hängt er leblos am Strang?

Als roter Faden zieht sich die Verknüpfung von gegenwärtiger Bruchstückreferenz bis vergangener Bewältigungsarbeit durch die etwa fünfzig Gemälde, die in der Kunsthalle Mannheim präsentiert werden. Entstanden sind die Arbeiten in den Jahren 2003 bis 2008, darunter so großformatige wie die "Alice"-Serie des Jahres 2003 nach dem Roman "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll oder die in historischem Vorbild ruhenden Gruppen- und lieblich-bedrohliche Kinderporträts. Hier ist auch eine Entwicklung im Schaffen von Miriam Vlaming erkennbar: zunehmend verzichtet sie auf grafische Elemente sondern vermehrt den Einsatz von Farbe und drängt ihre Figuren zurück in den ins Zentrum geholten Bildraum. Der Reiz liegt im melancholischsurrealistischen Gegenwartspotential, denn Miriam Vlaming stellt dem Zuschauer eine Bedingung: Du versprichst mir! Was das sein könnte, findet sich in den Bildern der Malerin. Sie leistete die Vorarbeit, der Betrachter wird zum letzten Glied in der Kette zur realistischen Utopie.

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… Frisch kombiniert: Arno Rink und Miriam Vlaming

Berlin-ist... 9.06.2008 | Magnus Hengge

Man könnte meinen, die Ausstellung „Rink & Vlaming Malerei“ bei Frisch in der Halle am Wasser ist eine nach dem Motto „Der alte Mann und das Mädchen“. Doch so ist es ganz und gar nicht. Denn Arno Rink, der altgediente Malerei-Lehrer aus Leipzig und auch der Lehrer von Miriam Vlaming, (er)findet sich gerade neu, während die junge Miriam Vlaming ihren jüngst sehr erfolgreichen Stil gradlinig durchzieht. Der Alte kann sich auf dem Hintergrund seines Lebenswerkes wieder auf die Suche machen, während die Junge möglichst wiedererkennbar Flachware produziert. Es sieht allerdings auch bei Miriam Vlaming nicht so aus, als würde es ihr keinen Spaß machen und … natürlich erscheint ihr Werk formal aktueller. Sie ist eine absolut zeitgenössische Malerin, was bei einer deutschen Künstlerin fast automatisch die Hinwendung zu den Themen Heimat, Romantik und Geschichte bedeutet (warum nur?). Dunkle Bilder, auf denen ein bisschen deutscher Wald, Omas Schrankwand, ein Wehrmachtssoldat, eine
schlagende Verbindung, oder ein Paar im Schlauchboot beim Ausflug auf einem Stausee (Was sich da wohl aufstaut und wohl möglich los bricht?) zu sehen sind. Bedrohlich warme Retrogefühlswelt aus unsicherer Distanz. Alles sehr große Formate in im Prinzip klassischer Malweise, die auf einer, durch technische Vorbearbeitungsprozesse, randomisierten Oberflächenstruktur stehen. Das ist gut gemacht aber nicht sonderlich spannend. Eben zeitgemäß.

Arno Rink hingegen kämpft mit sich, obwohl bei ihm jeder Pinselstrich sitzt. Er war immer ein figurativ arbeitender Maler, dem nun die Figuren aber zu entschwinden drohen. Zu sehen ist eine Bilderreihe, in der das Gemälde „Wollt ihr mich verlassen?“ als zentrales Werk steht. In der ganzen Reihe werden Teile von Figuren aus den anderen Bildern aufgenommen und einzeln behandelt. Er stellt sich selbst malenderweise die Frage nach der Notwendigkeit der Figuren im Bild, zumal er mit den Bildtiteln zeigt wie ihm der Sinn steht. Mit „Lot’s Töchtern“ und „Flucht“ gibt er als Interpretationsgrundlage die alttestamentarische Geschichte aus der Stadt Sodom vor, in der alle guten Sitten des sozialen Zusammenlebens vom ungezügelten Ausleben der Triebe verdrängt wurden. Auf Anraten zweier Engel flieht der alte Lot mit seiner Frau und zwei Töchtern bevor Gott die Auslöschung des Sündenpfuhls Sodom exekutiert. Seine Frau sieht, gegen die göttliche Anweisung, „am Strand“ zurück zur Stadt und wird sogleich vom himmlischen Fluch getroffen und erstarrt zur Salzsäule.

Nun hoffe ich annehmen zu können, dass Arno Rink nach langer Lehrtätigkeit unter sozialistischer Führung nicht zum strengen Katholiken geworden ist, und so verstehe ich die Thematik als Ikonoklasmus-Metapher eines Künstlers, der weiß, dass er selbst der rachsüchtige Gott über die Welt, die Bildinhalte und die Themenauswahl ist. Es ist also seine eigene Lust, sein Sodom zu vernichten und die gleichzeitige Hoffnung auf eine eigene rettende Flucht (mit ein paar wenigen Figuren der eigenen Familie), um dem Schlamassel zu entkommen. Da stellt sich natürlich die Frage, was sein Sodom ist? Ist es die Welt in der wir leben, die dem Künstler unerträglich wird oder das bisherige eigene Werk des Künstlers, vielleicht sogar einschließlich des Ergebnisses seiner Lehrtätigkeit, was dann auch Miriam Vlaming wieder einschließen würde.

Das ist sehr gut gemacht aber vor allem sehr spannend. Ist es deshalb nicht zeitgemäß? Hoffentlich nicht!


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Ästhetische Hochspannung: Arno Rink und Miriam Vlaming

Die Welt 6. Juni 2008 | Gerhard Charles Rump

Er ist sehr bekannt - als akademischer Lehrer an der Hochschule für Grafik und Buchkunst zu Leipzig. Sein künstlerisches Werk ist völlig zu unrecht nicht ganz so bekannt ist wie sein Name: Arno Rink.

Sie ist seine Schülerin, und auf dem besten Wege zum Ruhm: Miriam Vlaming. Sie bestreiten die erste Schau bei Frisch in der "Halle am Wasser".

Malerisch sind ihre Positionen unterschiedlich, aber Parallelen gibt dennoch. Arno Rink hat einmal gesagt, dass das Wichtigste in der Kunst des 20. Jahrhunderts die Neueroberung der Fläche sei. Ein Bild sei erst gut, wenn es in der Fläche funktioniere. So ergibt sich ein fruchtbarer Widerstreit zwischen Flächigkeit und Figürlichkeit. Rink schwebt zwischen klarem Kontur und weichen Formen, Lasuren und Übermalungen bestimmen die Optik oft stark.

Miriam Vlamings Bilder sind vielschichtige Palimpseste künstlerisch bearbeiteter Bilder aus vielen Quellen. Früher wurden Miriam Vlamings Bilder von Figuren beherrscht, die einen Bildraum einnahmen und ihn regierten. Dann wurde der Bildraum selbst - und die ihn konstituierenden Aggregate - immer vorherrschender. Jetzt gibt es kaum noch Figuren, wir sehen uns vielmehr bildlichen Figurationen gegenüber. Ästhetische Hochspannung!


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update.07
Malerei und Skulptur aus Berlin und Düsseldorf im Dialog
Galerie Wolfgang Gmyrek, 07.09.07 – 24.11.07

Kunstforum International, Heft 189, Ausgabe Januar-Februar 2008 | Thomas W. Kuhn

Zum zweiten Mal nach 2005 öffnet die Galerie Wolfgang Gmyrek ihr Programm für Vertreterinnen und Vertreter der jüngeren und jüngsten Künstlergeneration im Rahmen einer Gruppenausstellung. Wie schon für "[update.05]" wurden zwei Städte ins Blickfeld gerückt und die Wahl fiel auf Berlin und Düsseldorf. Das dabei keine klar von einander unterscheidbaren Schulen sichtbar werden würden, verdeutlichten die beiden Kuratorinnen der Ausstellung, Andrea Peters und Ljiljana Radlovic, in ihrem Einführungstext des Katalogs. Selbiges hatte schon Heinz-Norbert Jocks in seiner Besprechung zu "[update.05]" mit Blick auf die Kombination Leipziger und Düsseldorfer Positionen festgestellt und mit einer ebenso scharfen wie notwendigen Kritik an dem Leipzig-Hype verbunden (Kunstforum Band 177, S. 371 ff.).
Mit der Entscheidung eine Auswahl aus der Berliner Kunstszene zu treffen, knüpft die Galerie an ihre eigene Tradition an, die sich in ihrem Programm von Anbeginn sowohl der Berliner, wie der rheinischen figurativen Malerei verpflichtete. Im Unterscheid zu 2005 wurden aber neben der Malerei auch skulpturale Werke in die Ausstellung einbezogen. Eine Reduktion von 16 auf zehn Teilnehmer ermöglichte zudem eine Vertiefung der einzelnen Positionen und eine aufgelockertere Präsentation.
"[update.05]" war, wenn auch nicht so sehr durch lokale "Schulen", so aber doch durch sehr pointiert aufeinander stoßende Einzelkünstler gekennzeichnet, bei der einige sehr intensiv und grell wirkende Werke für lebhafte Unruhe sorgten, wie beispielsweise Cornelius Völker's (*1965 in Kronach) "Hände" von 2003. Andrea Peters und Ljiljana Radlovic betonen dem hingegen selbst die Korrespondenzen zwischen den künstlerischen Arbeiten vom Rhein und der Spree, die in "update.07" eben nicht als Antipoden, sondern im Dialog aufeinander treffen. Vielfach finden sich mediale Bezüge zum Film und zur Fotografie, aber auch eine unterschwellige unheimliche Atmosphäre, die mit den meist gedämpften und abgetönten Farben einhergeht.

Dieses Gefühl des Unheimlichen mag sich so bei den Skulpturen von Birgit Dieker (*1969 in Gescher) einstellen, deren Werk im Rheinland bislang noch nicht zu sehen war. Ihre aus Kleidungsstücken aufgebaute Büste "Twins" und ihre Standfigur "Olga" wirken immer ein wenig so, als befände sich im inneren eine Person. Mit Scheren und Messern rückt Dieker diesen Textilkörpern zu Leibe und legt ihre Schichtungen wie in einer anatomischen Sektion bloß. Bei den doppelköpfigen "Twins" tritt dem ein Möbelfragment als Sockel hinzu, der das Motiv assoziativ verdichtet.

Mit drastischen Splatter-Effekten arbeitet Julia Kröpelin (*1967 in Göttingen) in surreal wirkenden szenischen Installationen, zum Teil aus Holz, Kunststoff und Textilien, wie in Pornografie in der ein riesiger Blutspritzer längs über ein konstruktiv aufgelöstes Bett spritzt. Überraschend fein wirken demgegenüber ihre Bleistiftzeichnungen auf Leinwand, die im Detail wieder den Charakter apokalyptischer Landschaften bekommen.

Konkrete Filmzitate verwendet Jan Stieding (*1966 in Bad Langensalza). "Die Beatniks" basieren auf einem Standbild am Ende von Michelangelo Antonionis Film "Blow Up". In einer Mischung aus Öl und Spray auf Leinwand wird Antonios Appell für eine andere Sicht der Dinge durch die Teilnahme an eine anderen Realität beinahe zum Motto der Ausstellung. Auch das Gruppenbild "Die Rebellen" wirbt um Teilnahme der Betrachter, die überraschend jung und zahlreich am Eröffnungsabend erschienen.
Dieser erzählerischen Form standen die fast gänzlich abstrakten Öl- und Lackbilder Andreas Golder's (*1979 in Swerdlowsk, heute Jekaterinburg) gegenüber, die in "Triadem" an James Ensor und im "Maldrama" an das Informal erinnern. Einige naiv wirkende Elemente und Überzeichnungen aus dem Formenvokabular der Karikatur nehmen dem existenziellen Schöpfergestus ihre ernste Schwere. Tatsächlich ist sein Einsatz von Farbe sehr materiell und fast plastisch reliefiert die Oberfläche der Leinwand.
Aus der selben Generation entstammt Max Schulze (*1977 in Herdecke), der sich ebenfalls mit Formen des Abstrakten Expressionismus auseinanderzusetzen scheint. Ein fast ungegenständliches Bild aus 2007 wird auf dem zweiten Blick als Explosion lesbar, einzelne Objekte lassen sich sowohl als Farbflecken wie als Stein deuten. Das Schwanken zwischen der konkreten Wirklichkeit der Farbe und den möglichen figurativen Assoziationen entspricht auch sein eigener Katalogtext zwischen Dada und konkreter Poesie.
Diesen abstrakten Positionen könnte kaum eine Malerei ferner sein, als diejenige von Lisa Vigener (*1982 in Berlin). Ihre meditativ wirkenden kleinformatigen Portraits, der in ihrer Identität und in ihrem Alter unbestimmbaren Personen, sind überaus direkt und suggestiv. Aber mit den vorgenannten verbindet sie dann doch ein ausgesprochen sinnlicher Umgang mit dem Material ihrer Malerei, den Farben und der groben Leinwand, auf der das Öl mal fein vertrieben, dann wieder als Pinselstriche lesbar ist.
Der Fotografie am nächsten kommt Johanna Oenicke (*1972 in Berlin). Ihre kleinen rechteckigen Gemälde mit gleichem Format und mehrreihig gehängt, erinnern an die typologischen Studien, wie sie von Bernd und Hilla Becher und einer Reihe ihrer ehemaligen Schüler vertraut sind. Doch in diese Ferienhütten und Vorstadtbungalows mischt sich noch ein Hauch Edward Hopper und ein Schuss David Lynch. Die Häuser werden zum potenziellen Filmset, oft durch subtile Elemente wie Durchblicke und Perspektiven.
Katja Pfeiffer (*1973 in Karlsruhe) macht solche konstruierten Filmsets selbst zum Thema, die neben Baugerüsten und Scheinarchitektur erscheinen und gelegentlich bei Ausstellungen zu raumumgreifenden Panoramen zusammenstellt. "Babel" und "Alex" aus 2007 beinhalten, wie schon frühere Bilder der Malerin, Passagen, in denen das Bild im Format, wie in der Fläche gesprengt wird. Charakteristisch sind auch nur zum Teil ausgemalte Passagen, die den ephemeren und skizzenhaften Ausdruck verstärken.
Gebaut und konstruiert wirken auch die Außen- und Innenräume von Juliane Walther (*1982 in Berlin). Auch sie setzt in ihren Bildern auf eine Mischung unterschiedlicher malerischer Techniken, bei der manches skizzenhaft bleibt und angedeutet wird, aber anderes eine große Nähe zur sichtbaren Welt erhält. Homogene Flächen treten neben zersplittert wirkende Passagen, gerade Linien neben fließende Verläufe. Entsprechend lebendig wirkt die Gesamterscheinung der Oberfläche.
Ruprecht von Kaufmann (*1974 in München) besitzt eine ähnlich vielseitige Maltechnik, der aber nicht den homogenen Wirklichkeitsraum zersplittert, sondern heterogene Bruchstücke des Wirklichen zu einer neuen Wirklichkeit verschmilzt. In ihrem Text über Ruprecht von Kaufmann verweist die Autorin Lisa Bosse auf die immer noch unerklärliche Erfahrung des "Déjà-vu", die sich bei seinen Bildern einstellen kann.

Ausgehend von der Gruppenausstellung "update.07" plant auch die Galerie Wolfgang Gmyrek ein Déjà-vu mit Einzelausstellungen der (einiger) Teilnehmer und zeigt gleich im Anschluss eine Soloschau mit Arbeiten von Juliane Walther

Zur Ausstellung erschien eine Zeitung als Katalog, mit einem einführenden Text von Andrea Peters und Ljiljana Radlovic und einzelnen Textbeiträgen von Marc Wellmamm, Mark Gisbourne, Heike van den Valentyn, Melanie Franke, Johannes Wendland, Max Schulze, Birgit Laskowski, Lisa Bosse und Gisela Matthes über die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern im Umfang von 12 Seiten und mit 30 Farbabbildungen ausgestattet, der für 10 Euro erhältlich ist: ISBN 3-924079-31-5


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